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Beschreibung der Löcher
GOLFPLATZ MIT AHNENTAFEL
Jedes Loch unseres Platzes hat seinen Namen und seine Geschichte. Wir möchten, dass Sie nicht auf einem anonymen Platz spielen, sondern auf einem Platz mit Löchern, die ihre Ahnentafel haben.
Loch Nr. 1 - MŮSTEK (STEGLOCH)
Die Spieler erwartet hier eine große Falle in Form eines Teichs und dichten Schilfs. Es ist ratsam sich vor dem Abschlag zu beruhigen, vielleicht gerade mit einem Blick auf den Ziegelsteg mit dem gusseisernen Beschlag, der dem Loch seinen Namen gab. Das Gusseisen stammt aus dem Metternich’schen Eisenwerk in Plasy. Der Fürst hat es in den Jahren 1827-29 errichtet und stellte dort Maschinen-, Nutz, Begräbnis- und Kunsteisen her. Im gesamten Areal des Parks treffen Sie auf weitere Produkte des Eisenwerks von Plasy. Am Pascalina-Loch ist da zum Beispiel das Monument von Ferdinand und am Schlossloch die Statue der griechischen Göttin Artemis. Artemis war die Tochter von Diov und Leto, der Schwester von Apollon. Die Figur wurde im Eisenwerk nach der bekanntesten erhaltenen Plastik der Artemis von Versailles abgegossen. Es wird angenommen, dass Artemis den Pfeil aus dem Köcher herausnimmt, um eine Hirschkuh vor ihrem Verfolger zu schützen.
Loch Nr. 2 - U POTOKA (BEIM BACH)
An der rechten Seite des Lochs fließt ein Bach, wobei die Farbe seines Grunds ihn ein wenig gerötet hat. Dies zeigt von der Anwesenheit von Eisen im Wasser, das durch wilde Sprudel der dortigen Quellen in den Bach gelangt ist. Nirgendwo anders in Tschechien entspringen nämlich so viele Quellen wie im Slavkovský les. Allein in Mariánské Lázně werden 42 der Gesamtanzahl von 84 genutzt. Wenn wir aber auch die im weiteren Umkreis hinzuzählen, dann kommen wir auf über Hundert. Wo kommen sie her? Das Gebiet des Slavkovský les ist geologisch einzigartig dank dem Vorkommen eines tektonischen Bruchs, der in Zusammenhang mit dem Ausklingen der Vulkantätigkeit des Tertiärs entstanden ist. Seine Spalten ermöglichen das Durchsickern von Oberflächenwasser in die Tiefen, seine Anreicherung mit Mineralien und der erneute Aufstieg an die Oberfläche. Je mehr Wasser dabei das vulkanische Kohlendioxid absorbierte, desto saurer ist es und desto mehr löste es die Gesteinsunterlage auf. Diese ist auf dem relativ kleinen Gebiet des Slavkovský les sehr unterschiedlich – wir finden hier Gesteine von sauren Graniten bis hin zu basischen Amphiboliten und ultrabasischen Serpentiniten. Das Resultat ist eine sehr vielfältige Mischung von Mineralien, die sich gemäß den konkreten natürlichen Bedingungen durch ihre Temperatur, den Inhalt von Gasen und aufgelösten Stoffen unterscheidet. Hinsichtlich des positiven Einflusses auf die menschliche Gesundheit unter ihnen haben eine besondere Stellung diejenigen, die Magnesium enthalten. Dieses förderliche Element laugt sich aus dem Serpentin aus – metamorphe Gesteine von graugrüner Farbe, durchwebt von Aderchen und Flecken, so dass es an eine Schlangenhaut erinnert. Der Großteil der Kaiserwälder Säuerlinge entsteht in geringen Tiefen, deshalb sind sie kalt. Dadurch unterscheiden sie sich grundsätzlich von den heißen Quellen in Karlovy Vary (Karlsbad), die bei hoher Temperatur in Tiefen von zwei Kilometern entstehen und die auch weniger mineralisiert sind.
Dass Sie die überfüllten Kolonnaden der Kurbäder nicht anlocken? Begeben Sie sich zu den Säuerlingen in das Dorf Prameny, verborgen auf dem Bergplateau des Slavkovský les. Auch hier wurde einst ein Kurbad betrieben, von dem jedoch nur noch Ruinen erhalten sind. Von mehreren Quellen steht heute die Obecní pramen hinter der Brücke über den Bach gegenüber der Bushaltestelle der Öffentlichkeit zur Verfügung. Und nur ein paar Kilometer entspringt bei dem blauen Wegzeichen mitten im Wald der Farská kyselka (Pfarressäuerling).
Loch Nr. 3 - ROKLE (DIE SCHLUCHT)
Ein schönes Loch mit einem großen natürlichen Hindernis inmitten der Bahn, die außerdem als Biozone gekennzeichnet ist. Man darf sie also nicht betreten.
In den Biozonen, gekennzeichnet durch gelbe oder rote Pflöcke mit einem schwarzen Streifen, gilt das Verbot des Betretens und des Spiels. Falls Sie zufällig einen Ball dorthin schlagen, müssen Sie ihn einfach dort lassen. "Es retten" ihn erst die Mäher, welche die Biozonen von Zeit zu Zeit instand halten. Die Termine bestimmen die Naturschützer für sie so, dass die Lebensbedingungen für seltene Arten von Pflanzen und Lebewesen aufrechterhalten werden. Warum darf in Biozonen nicht gespielt werden? Jeder Golfplatz ist immer notwendigerweise ein Kompromiss zwischen der Natur und dem Menschen. Der Golf Kynžvart liegt im Naturschutzgebiet Slavkovský les. Seiner Anlegung ging daher eine detaillierte ökologische Untersuchung voraus. Die Botaniker stellten dabei fest, dass einen großen Teil der Fläche (außerhalb des Schlossparks) brach liegende Wiesen einnehmen, auf denen sich praktisch nichts schützen lässt. An anderen Orten des künftigen Golfplatzes fand man jedoch mehrere Arten von seltenen Pflanzen, die vor allem an Sümpfen wachsen. Zoologen entdeckten Wassermolche, Eidechsen, Kröten, Nattern, Neuntöter, Siebenschläfer und weitere bedrohte Tierarten. Nach der ökologischen Bewertung der gesamten Fläche des künftigen Golfplatzes wurde beschlossen, ihnen ausreichenden Platz für ein ungestörtes Leben zu belassen. Golf Kynžvart beweist also damit, das Golf eine "grüner" Sport auch im übertragenen Sinne des Wortes sein kann.
Loch Nr. 4 - KOSTELNÍ (KIRCHENLOCH)
An diesem Loch können Sie in der Richtung abschlagen, in der aus den Bäumen ein Kirchenturm hervorschaut. Hoffen wir, dass sie nicht genauso ausbrennen wie die Kirche der Hl. Markéta, zu der er gehört. Die brannte nämlich zweimal aus. Erstmals im Jahre 1506, als die Truppen der mächtigen Brüder, der Herren von Guttenstein, Kynžvart eroberten, ausplünderten und abbrannten. Die neue Kirche wurde auf den Trümmern der ursprünglichen gotischen Kirche drei Jahre später erbaut. Ein weiterer Brand erfasste die Kirche am 15. August 1865. Damals brannte der gesamte östliche Teil der Stadt mit etwa fünfzig Häusern und Gebäuden aus, darunter neben der Kirche auch das Rathaus, die Schule und die Pfarre. Eine der ältesten Sehenswürdigkeiten, welche von den Bränden in der Kirche nicht beschädigt wurde, ist die Grabtafel von Jan Zedwitz aus dem Jahre 1582. Das Geschlecht der Zedwitzer war Besitzer der Königswarter Herrschaft bis zum Jahre 1620, als ihnen nach der Schlacht am Weißen Berg das gesamte Eigentum konfisziert wurde und auf fünf Brüder aus dem Geschlecht Metternich-Winneburg übertragen wurde. Die Metternichs hielten das Schloss im Eigentum bis zum Jahre 1945.
Loch Nr. 5 - BÍLÝ KÁMEN (WEIßER STEIN)
Stellen Sie sich an den Abschlag und Sie erblicken ihn rechts vom Green. Den schönen, großen, schneeweißen und berühmten Königswarter BÍLÝ KÁMEN (Weißen Stein). Er diente Jahre lang als Orientierungspunkt und Ort für romantische Treffen. Dieser Felsen ragte im Jahre 1905 in eine Höhe von mehreren Metern empor und er war auch viel breiter. In diesem Jahr sprengte man den bis in die ferne leuchtenden Felsen und verarbeitete ihn anschließend in der Glaserei Heller der unweit gelegenen Gemeinde Úbočí. Heute ist der Stein ungefähr zwei Meter hoch und fünf Meter breit. Was ist das eigentlich für einer? Es ist ein Quarzausläufer in einem tertiären Spalt, der sich durch das Gneis- und Granitgestein von Cheb nach Stříbro windet. Der Bruch ist am besten sichtbar an dem Südhang des Slavkovský les rundum Lázně Kynžvart, und zwar besonders an den Orten des heutigen Golfplatzes. Im Gebiet des Český les (Böhmischen Walds) bildet dieser Quarz den s.g. "böhmischen Quarzwall", aus dem auch das auffällige Profil des Přimda (849 m) entstanden ist, den Sie von den Hügeln über dem Golfplatz aus erblicken.
Loch Nr. 6 - VĚTRNÁ (WINDLOCH)
Der Abschlag ist der höchste Punkt des gesamten Platzes. Meistens weht hier ein Wind und zu 80 Prozent ist es ein Nordwestwind.
Ein Wind ist im Grunde genommen eine verstärkte Luftströmung, die zum einen durch die Rotation der Erde (d.h. eine Bewegung ihrer Atmosphäre) und zum anderen durch einen Druckunterschied verursacht wird. Aus dem Tak “fließt” die Luft hoch in die Berge und von dort aus zurück ins Tal. In unserem Fall strömt die Luft vom Dyleň in das Tal der Tachovská brázda, wo er auf die Südhänge des Slavkovský les trifft und so an Intensität gewinnt. Wenn Sie also einen Slice spielen, so werden Sie den Ball hier noch mehr anschneiden. Falls Sie zeit haben, genießen Sie diesen Wind. Denn er weht aus Bayern her, aus einem Gebiet ohne Schwerindustrie, und somit ist es einer saubersten Luftströmungen überhaupt. Interessant ist auch, dass der Wind in den Abendstunden nachlässt und die Landschaft in eine betäubende Stille eintaucht.
Loch Nr. 7 - LÁZEŇSKÁ (KURBADLOCH)
Stecken Sie den Ball hinter die Bälle und begeben Sie sich zu dem weißgelben Gebäude im Wald hoch über der Stadt Kynžvart. Es ist eines von vielen Gebäuden des hiesigen Kurbads. Während
die Geschichte bis zur 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückreicht, als hier Přemysl Otakar II. auf einer Felszungen die Grenzburg Kunigeswart errichten ließ – blickt ihre Ruine heute aus der Höhe auf die Stadt. Zum Kurbad wurde Kynžvart erst viele Jahrhunderte später, als hier die ersten Mineralquellen entdeckt wurden. Zur Heilung tragen zu einem nicht geringen Teil auch die einzigartigen lokalen Bedingungen bei – die Lage dicht über der Grenze der Bodennebel, die längere Sonnenbestrahlung dank der südwestlichen Lage und die ständige hohe Luftfeuchtigkeit, die durch die dichte Bewaldung mit Mischwald bewirkt wird. Mehr als hundert Jahre wurden hier Erwachsene geheilt (vor allem mit Entzündungen der oberen Atemwege und mit Hautproblemen), doch seit 1950 ist das Bad nur für Kinder bestimmt. Den übrigen bietet das Lázně Kynžvart (Bad Königswart) die interessante Architektur der Innenstadt und auch der unzerstörten Natur in der Umgebung an.
Loch Nr. 8 - GOETHOVA (GOETHE-LOCH)
Schlagen Sie den Ball auf das Fairway, eventuell in das Tälchen. Bei der Suche nach dem Ball achten Sie auf den Felsüberhang der anderen Seite der Schlucht und darunter auf die in den Fels gehauenen Bänke. Es saßen viele bekannte Persönlichkeiten auf ihnen, unter anderem der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Und keineswegs allein: hier gab er sich dem Geplauder mit der reizenden und klugen Ulrike von Levetzow aus Třebívlice bei Litoměřice hin. Und dies obwohl Goethe schon ein siebzig Jahre alter Witwer und Ulrike erst achtzehn Jahre alt war. Junge Mädchen zogen das Genie sein ganzes leben lang an. Schon seine langweiligen Jurastudien in Leipzig versüßte er sich in Gesellschaft von Kitty, der Tochter des Wirts, in Straßburg sattelte er dann auf die sechzehn Jahre alte Frederike um. Am Hof des sächsisch-weimarischen Herzogs bezauberte er junge Mädchen bei wilden Abendvergnügen und später verliebte er sich unsterblich in die neunzehn Jahre alte Charlotte Buff, die jedoch verlobt und unbeugsam war. Goethe konnte sich jedoch auch in Charlotte von Stein verlieben, eine sieben Jahre ältere Mutter von sieben Kindern, und dennoch ganze Jahrzehnte an der Seite einer Frau – der Christiane Vulpius - bleiben, die in seinem Haus ursprünglich als Wirtin gearbeitet hatte. Der Ausdauer ihrer Beziehung (die erst nach achtzehn Jahren durch die Heirat besiegelt wurde!) kam es zweifellos zu Gute, dass sie seine geliebten tolerierte, besonders auf den Reisen des Dichters in die böhmischen Kurbäder. Wen sie jedoch nicht ertragen konnte, war die Schriftstellerin Bettina von Arnim (ansonsten auch eine Gestalt in Kunderas Unsterblichkeit), die sich danach sehnte, den geliebten Künstler nur für sich selbst zu haben. Die Liebesbeziehungen von Goethe inspirierten ihn erheblich, und zwar einschließlich der kurzen und unvollendeten. Seinen ersten Geliebten schrieb er Verse und erotische Lieder, die Ablehnung seiner Liebe durch Charlotte Buff beschrieb er lebhaft in dem teils autobiografischen Leiden des jungen Werther – und ohne seine spätere glühende Liebe zu Ulrike wäre nicht das geniale Gedicht Elegien aus Marienbad entstanden, dessen dramatische Entstehung Stefan Zweig in seinem Werk Die Sternstunden der Menschheit beschreibt.
Loch Nr. 9 - METTERNICHOVA (METTERNICH-LOCH)
Dieses Loch ist nach dem berühmtesten Mitglied des Familiengeschlechts benannte, in dessen Besitz die Herrschaft auf Kynžvart von 1622 bis 1945 war. Mit ganzem Namen und Titel Klemens Wenzel Nepomuk Lothar Fürst Metternich-Winneburg-Ochsenhausen, Herzog von Portella, ist er für die Mehrheit nur ein abstraktes Symbol einer Zeit der angeblichen politischen und gesellschaftlichen Unterdrückung, doch die Wahrheit ist (wie das in der Geschichte zu sein pflegt) viel farbenreicher. Fürst Metternich war vor allem ein großer Europäer (wie er selbst über sich behauptete) und es war auch sein Verdienst als eines Diplomaten und Politikers, dass im Rahmen der Länder der österreichischen Monarchie und der angrenzenden deutschen Staaten in diesem Teil Europas ein gewisses ‚kleines Schengen’ funktionierte – Freizügigkeit der Menschen über die Grenzen hinweg. Ebenso wie auf der abstrakten Ebene eines Staatsmanns bemühte er sich auch, konkrete greifbare Orte zu Ansehen zu bringen. Schloss Kynžvart wurde eben dank ihm renoviert und in seine heutige Gestalt erweitert, besonders aber auch deshalb, dass Metternich es für treffen mit ausländischen Staatsmännern und Politikern nutzen wollte (und auch nutzte. Es kehrt her zum Beispiel der russische Zar Alexander I. ein, der angeblich Metternich Samen des Bärenklaus (siehe Rubrik Umgebung) mitgebracht hatte.
Loch Nr. 10 - U DUBŮ (BEI DEN EICHEN)
Vom Abschlag aus sehen Sie vor sich, links vom Green, eine Gruppe von vier hohen Eichen. Es geht um eine Art von Sommereiche, konkret um seine Säulenform, die sich durch ihre lang gestreckte Gestalt erkennen lässt. Die Bäume wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgesät, als der Wiener Hofgärtner Riedl begann, ringsum das Schloss eine Waldpark englischen Typs anzulegen. Die gefühlvolle Landschaftsgestaltung, die sorgfältige Durchlichtung der ursprünglichen Bäume und die Pflanzung neuer Bäume erfolgten in zwei Phasen. Die erste in den Jahren 1820 bis 1833, als der Park bis hinter das Gebäude der Brauerei bis zum im Empirestil gebauten Teehaus und auf der anderen Seite bis zum Obelisk reichte. In der zweiten Phase, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, wurde der Park erheblich nach Norden in Richtung Kynžvart und nach Süden bis hin zu den drei Fischteichen ausgedehnt. Er erreichte somit ungefähr den Umfang, den der Park bis heute bewahrt hat, als beinahe 300 Hektar. Am schönsten ist der Park selbstverständlich im Herbst, wenn Hunderte mächtiger Laubbäume mit ihren Farben glänzen. In dieser reizenden Landschaft verliert sich sogar der Stoßseufzer unseres Greenkeepers ob der tagtäglichen Flut von gefallenem Laub. Kynžvart ist einfach kein bloßer Linksplatz.
Loch Nr. 11 - U KŘÍŽE (BEIM KREUZ)
Auf der rechten Seite in der Hälfte des Fairways dieses Lochs steht das s.g. Štolbův kříž. Auf einem barocken steinernen Sockel mit der Jahreszahl 1704 ist das Monogramm "V.L.P." eingraviert. In einer Aufstellung von Denkmälern von 1836 steht, dass hier das zweite Evangelium bei der alljährlichen kirchlichen Prozession, die von Kynžvart nach Dolní Žandov führte, gelesen wurde. Das Kreuz wurde 1994 erneuert. Von dort aus gibt es einen anmutigen Ausblick nach Nordosten zum "Bílý kamen" (Weißen Stein) (siehe Loch Nr. 14) und zum Rand des Slavkovský les (siehe Loch Nr. 6). Wenn Sie im Jungholz einen verlorenen geschnittenen Ball suchen werden, erinnern Sie sich daran, dass noch vor einem halben Jahrhundert Menschen hier in demütiger Verbeugung ihr geistliches Heil vor dem Kreuz gesucht haben.
Loch Nr. 12 - JELENÍ (HIRSCH)
Immer von Mitte September bis Mitte Oktober suchen sich majestätische Waldhirsche das herrliche Gelände des Greens bei diesem Loch für ihre nächtlichen und morgendliche Zweikämpfe um die führende Stellung der Gruppe der Hirschkühe aus. Die Umgebung des Greens pflegt von diesen ein wenig „bearbeitet“ zu sein, doch für uns ist es eine große Ehre, dass sich die mächtigsten Einwohner der Tschechischen Republik genau das ausgedehnte Green Nummer drei als Treffpunkt zur Schlichtung ihrer Streite auswählen.
Auf dem Gebiet des Slavkovský les trat ursprünglich nur der Rothirsch auf (auch Waldhirsch genannt). Hier lebte seine für den Ort ursprüngliche westeuropäische Gattung, die sich bis heute erhalten hat. Einige andere Gebiete Tschechiens hatten ein solches Glück nicht und so finden Sie dort nur Nachkommen der nicht ursprünglichen Hirsche aus allen Winkeln Europas, die künstlich ausgesetzt worden waren. Die tiefen und schlecht zugänglichen Forste des Slavkovský les blieben aber die Heimat der berüchtigten Trophäenstücke mit den mächtigen Geweihen. Nach den Jägerstatistiken wurden hier in den Jahren 1954-2005 insgesamt 240 Medaillenhirsche erlegt. Den majestätischen Tieren geht es hier dank einem Zusammenspiel von mehreren Faktoren gut. Der erste waren die ausgedehnten historischen Jagdgründe, welche zum Beispiel die Wälder im Besitz des Grafen Schönburg-Waldenburg darstellten. Nach ihrer Konfiszierung wurde ein militärischer Übungsplatz namens Prameny angelegt, der den Tieren paradoxerweise ausgezeichnete Bedingungen zur Vermehrung bot. Zur selben Zeit entstand zudem der “Grüne Vorhang”, dessen Zäune den Kaiserwaldhirschen die Wanderschaft nach Westen erschwerte. Der Rothirsch musste sich nach dem 2. Weltkrieg nicht nur des Drucks seines asiatischen Verwandten, des Sikahirsches (auch japanischer Hirsch genannt), erwehren. Der ist etwas kleineren Wuchses und stammt aus dem Fernen Osten. An der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts wurde der Sikahirsch nach Europa gebracht, wo er sich ausgezeichnet adaptierte. Bei uns wurde er vor allem in den Gehegen der Pilsner Region gezüchtet, von wo aus er nach dem Krieg in Folge der beschädigten Umzäunung und der Vernachlässigung der Zucht entfloh. Im Slavkovský les wurde der Sikahirsch erstmals im Jahre 1963 erlegt und seitdem nimmt seine Anzahl ständig zu. Der Verwaltung des CHKO (Landschaftsschutzgebiet) zufolge beginnt er überhand zu nehmen, und dies obwohl hier jedes Jahr mehr als 160 Stück geschossen werden.
Loch Nr. 13 - DYLEŇSKÁ (TILLENBERGER)
Für die gesamte Dauer des Spiels an Loch Nummer 4 werden Sie an ihrer linken Seite das ausgeprägte Profil des Bergs Dyleň (zu deutsch Tillenberg) haben. Noch vor zwanzig Jahren war er einer der strategischen Punkte des Kalten Krieges. Denn der 940 Meter hohe Gipfel ist nur etwa einen halben Kilometer von der Grenze zum damals „feindlichen“ Westdeutschland entfernt und deshalb nutzte ihn die tschechoslowakische Armee als Beobachtungs- und Abhörturm aus. Die militärische Besatzung verfolgte hier „an der Wacht des Sozialismus“ den Funkverkehr fast im gesamten Bayern. Heute ist der Turm ein gewöhnlicher Radiosender. Es ist nur schade, dass er nicht zugleich auch als Aussichtsturm dient. Der weite Ausblick vom Dyleň lohnt sich aber auch so. Sie müssen nur auf einen Felsen ein Stück weit vom Gipfel herabsteigen. Einige Hundert Meter unterhalb des Gipfels können Sie außerdem eine der geographischen Mitten Europas finden. Einer Tradition zufolge ehrten die Landmesser im Jahre 1813 mit der Bezeichnung Dyleň Kaiser Napoleon Bonaparte. An ihren Beschluss erinnert bis heute eine steinerne Säule, die beinahe direkt auf der böhmisch-bayrischen Grenze steht. Falls Sie sich mit Kindern dorthin begeben, lohnt es sich, das Buch Pověsti hory Dyleň (Sagen des Tillenbergs) mitzunehmen, das voll von geheimnisvollen Geschichte von diesen Orten ist.
Loch Nr. 14 - JEZERNÍ (SEENLOCH)
Dieses Loch finden Sie bei einem erneuerten See. Er befand sich hier schon vor der Entstehung des Golfplatzes, doch allmählich verdarb er durch die s.g. Verlandung. In Fachkreisen nennt man so den natürlichen Prozess, bei dem sich die Wasserflächen mit organischen Resten anfüllen (in jedem Herbst zum Beispiel mit dem gefallenen Laub der Bäume) und durch Wasserpflanzen und Moos zuwachsen. Kleinere Seen und Fischteiche verwandeln sich in Folge der Verlandung innerhalb von mehreren Jahrzehnten bis Jahrhunderten in Moore und gehen schließlich unter. Beim Bau des Golfplatzes wurde der See deshalb revitalisiert. Der angesammelte Schlamm wurde aus ihm entfernt, die Tiefe auf ihr ursprüngliches Niveau gebracht und die Ufer befestigt. In den See kehrten bedrohte Amphibien zurück, so dass er zu einem der wichtigen Punkte der ökologischen Stabilität in dieser Region wurde.
Loch Nr. 15 - CÍSAŘSKÁ (KAISERLOCH)
Für die gesamte Dauer des Spiels werden Sie hier linkerhand den majestätisch bewaldeten Wall des Gebirges Slavkovský les sehen. Die ursprüngliche Bezeichnung des Gebirges war Kaiserwald, da er ein beliebter Jagdgrund des Kaisers Karl IV. war. Die heutige Bezeichnung Slavkovský les stammt erst aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Sie verweist auf die Stadt Horní Slavkov, die etwa in der Mitte dieses Gebietes liegt. Einige Übersetzer verwenden jedoch nicht die richtige ursprüngliche deutsche Bezeichnung Kaiserwald, sondern übersetzen ihn sklavenhaft (und von der Logik her fehlerhaft!) als Austerlitzerwald nach Slavkov na Moravě, wo Napoleon seine größte Schlacht gewann. Nach der Vertreibung der ursprünglichen deutschen Bevölkerung wurden im gesamten Gebiet Dutzende von Dörfern dem Erdboden gleichgemacht. Mit der Errichtung des „Grünen Vorhangs“ entstand daraufhin eine ausgedehnte Grenzzone, in die Unbefugten das Betreten verboten war und wo außerdem die Armee Übungen ausführte. Was jedoch den Menschen nicht förderlich war, das war es paradoxerweise der Natur – der Slavkovský les ist heute die verlassenste und ökologisch am besten erhaltene tschechische Landschaft. Nach dem Spiel können Sie sich selbst davon überzeugen – begeben Sie sich zu dem reizenden Ost namens Kladská (siehe Rubrik Umgebung).
Loch Nr. 16 - NA PÍSKÁCH (AUFDEM SAND)
Bei diesem Loch widmen Sie dem Bunker erhöhte Aufmerksamkeit – es ist der längste in der gesamten Tschechischen Republik. Und warum erschweren nicht besonders natürliche Sandgruben das Spiel? Keine konkrete Person ist daran schuld. Dies ist eine Frage der historischen Entwicklung des Golfspiels. Schon im vierzehnten Jahrhundert spielten schottische Viehhirten an der Meeresküste das s.g. Cambuca, bei dem sie mit Hilfe eines gebogenen Stocks Kieselsteine so abfeuerten, dass sie den Zielort trafen. Am besten gelang das Spiel auf Weideplätzen, auf denen das Gras durch die Schafe gleichmäßig abgeweidet war und die Kieselsteine auf dieser Oberfläche gut „liefen“. Die Tiere bildeten gemeinsam mit dem ständig vom Meer her wehenden Wind Inseln, bei denen es zu einer Entblößung der Sandschicht kam – zum Beispiel dort, wo das Gras auch mit seinen Wurzeln abgeweidet war oder wo sich die Tiere vor dem Regen verbargen oder schlafen legten. Der Wind verstreute den Sand weiter und errichtete so größere sandigen ‚Gruben’. Und die wurden später und völlig natürlich Bestandteil des modernen Golfs, ähnlich wie Hindernisse aus Wasser.
Loch Nr. 17 - PASCALINA (PASCALINALOCH)
Auf dem Weg zum achten Loch erblicken Sie rechterhand einen großen Findling und in diesen ist ein weißes Marmorkreuz eingelassen. Unter ihm eine lateinische Aufschrift des folgenden Wortlauts: „Aus Liebe und Hingabe, Antonia Pascalina, Comtesse von Waldstein und Wartenberg, wohl geborene Prinzessin von Metternich - Winneburg, geboren am 20. April des Jahres 1862, gestorben am 5. August des Jahres 1890.“ Der Sage nach wurde sie an diesem Ort von Doggen zerrissen, welche ihr eifersüchtiger Ehemann auf sie gehetzt hatte. Doch dies ist nur eine Sage, die Wahrheit ist anders. Die Prinzessin Pascalina starb einige Tage nach der Geburt an einer Blutvergiftung und noch dazu an einem völlig anderen Ort – auf dem Schloss in Duchcov. Diese Sage verbreitete offenbar ein anderer Zweig der Metternichs, der einige Jahre nach ihrem Tod das Königswarter Schloss beherrschte. Linkerhand erblicken Sie nun einen 15 Meter hohen Obelisk. Seinen Grundstein legte hier Kaiser Ferdinand V., der kurz nach seiner Ernennung (also nach dem Tod seines Vorgängers Kaiser Franz I.) das Schloss Kynžvart als erster Gast in den gerade fertig gestellten Gastzimmern des südlichen Schlossflügels weilte. Der Obelisk ist Kaiser Franz geweiht, nach dem auch das Geweih benannt ist, auf dem geschrieben steht – Františkova hora. Zu dieser Zeit gab es angeblich einen schönen Ausblick auf das Schloss und in die Umgebung – heute verdecken ihnen die Bäume, welche bei der Anlegung des Waldparks hier angeplanzt wurden.
Loch Nr. 18 - ZÁMECKÁ (SCHLOSSLOCH)
Der Mensch sollte bescheiden sein, dies ist eine edle Eigenschaft. Wenn wir aber an Abschlag Neun stehen, können wir mit ruhigem Gewissen sagen, dass dies eines der schönsten Löcher in der ganzen Tschechischen Republik ist. Rechts bewaldete Felsen, links ein Müllerteich mit einer Insel und einer Holzhütte und vor Ihnen ein vollkommenes Beispiel des Wiener Klassizismus – das Schloss des ausgezeichneten Architekten Pietro Nobile.
Seit Ende des 16. Jahrhunderts stand an diesem Ort eine Trutzburg im Stil der Renaissance, deren Mauerwerk nach nicht ganz Hundert Jahren zum Bau des Barockschlosses verwendet wurde. Dieses diente bis zu der Zeit, in der es Klement Wenzel Nepomuk Lothar von Metternich (dessen Geschlecht dieses Gebiete von 1623 bis 1945 gehörte) ausbauen ließ und im Stil des Wiener Klassizismus umbauen und ringsum einen Waldpark anlegen ließ. Übrigens lieh er sich dafür 900 Tausend Goldmünzen von dem Bankhaus Rothschild aus. Eben dieser Fürst Metternich, den die meisten Menschen mit dem Begriff „Metternichabsolutismus” oder damit in Verbindung bringen, dass er vielleicht der leibliche Vater von Božena Němcová war, häufte auf Kynžvart viele Kunstwerke an, Münz-, Waffen und besonders Buchsammlungen, oftmals handgeschriebene Einzelstücke und Erstdrucke. Im Schloss können wir auch das Arbeitszimmer von Metternich mit einem ausklappbaren Tisch besichtigen, der bei der Verhandlung auf dem Wiener Kongress diente, das Schlossarsenal und ein Kuriositätenkabinett. Der Green des Lochs ist ein Stück weit vor den Stirnfassade des Schlosses zum Garten hin angelegt worden, des Schlosses, in dem einst über die gesamte europäische Politik entschieden wurde. Über Ihr Golfschicksal aber entscheidet das folgende Loch.